Der ADFC Bad Homburg wird im Jahr 2000 nicht nur mit Fahrradtouren,
sondern auch politisch wieder präsent sein. „Nachdem wir vor zwei
Jahren alle Stadtteile erkundet und eine lange Liste an Verbesserungsvorschlägen
bei der Stadt abgegeben haben, ist es im August an der Zeit, nach dem Fortschritt
zu sehen“, kündigte Michael Seipp vom ADFC an und ist dabei guten
Mutes: „Einige Maßnahmen hat die Stadtverwaltung schnell erledigt
und so Verständnis für Radfahrerprobleme bewiesen.“
Allerdings reicht das Bewusstsein der Politiker für Radfahrbelange aus Sicht des ADFC immer noch nicht aus. Dies zeigt eine aktuelle Maßnahme: Noch dieses Jahr wird in der Urseler Straße ein Radweg angelegt. Stadteinwärts wird bis zum Hessenring der Gehweg durchgehend verbreitert und darauf ein getrennter Rad-/Fußweg ausgewiesen. Beim ADFC kommt über diesen Fortschritt keine Freude auf, denn er hat gravierende Nachteile:
Doch was wäre die Alternative? „Es müsste ein Radweg auf
der Fahrbahn markiert werden.“, fordert die Ortsgruppe des ADFC.
„Viel zu gefährlich!“, winken die verantwortlichen Politiker ab. „Die
Autos fahren dort viel zu schnell.“ Dennoch: Selbst durch den verbreiterten
Fußweg wird der Verkehr gebremst. Ein Radweg auf der Straße
hätte denselben Effekt. Zudem wären die Radler im Sichtfeld
der Autofahrer auf der Straße und hätten dort ihren abgetrennten
Bereich: die sicherste Art der Wegeführung.
Dass die Radfahrer dennoch auf den Fußweg kommen, hat seinen Grund. Zufällig passierende Radfahrer haben der Verwaltung vor Ort ihre Sorgen mitgeteilt. Aus Angst vor schnell fahrenden Autos würde man lieber auf dem Gehweg fahren, als einen Radweg auf der Straße benutzen. Dabei wäre es ein leichtes, hier für die nötige Einhaltung der Höchstgeschwindigkeit zu sorgen. Schließlich wurde am Ortseingang extra eine Radaranlage dauerhaft installiert. Die verantwortlichen Politiker beschwichtigen dazu: „Auf Gehwegen sind die Radfahrer viel sicherer.“ „Dies ist eine Verkehrung der Tatsachen!“, so der ADFC. „Längst ist erwiesen, dass Radfahrer auf Straßen mit einem Radweg am sichersten sind. Unfallstatistiken und Gutachten werden hier völlig unter den Tisch gekehrt.“
Die politische Botschaft ist für den ADFC klar: „Freie Autofahrt für freie Bürger! Radfahrer haben auf den Straßen der Kurstadt nichts zu suchen. Stattdessen sollen mal wieder Fußgänger dieses Problem ausbaden!“ An seinem Infostand letzte Woche wurde ausgerechnet der ADFC für diese Politik verantwortlich gemacht. Passanten schimpften über Radfahrrüpel auf Fußwegen. Andere beschwerten sich, Radfahrer kämen plötzlich auf die Straße gefahren, weil ein Radweg dort ende.
Es scheint wahrhaftig ein Teufelskreis zu sein. – „Es ist nur eine Frage
des Willens.“, ist sich Seipp sicher. „Wenn der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung
gegen Radwege wettert, weil dadurch den Homburger Geschäften die Kunden
ausbleiben, ist das Polemik, über die die Mächtigen dieser Stadt
hämisch grinsen mögen. Es schadet aber denjenigen, die auf ein
Auto verzichten und der Kurstadt ein Stück Lebensqualität zurückgeben
wollen, anstatt die Stadtautobahnen noch mehr zu manifestieren.“ Platz
für die beste Lösung wäre hier jedenfalls vorhanden.
Mit fahrradfreundlichen Grüßen
Michael Seipp
Verkehrspolitischer Sprecher der ADFC-Ortsgruppe Bad Homburg
Im Lehmkautsfeld 5a
61350 Bad Homburg
Tel. 06172 / 86 78 95
m.seipp@t-online.de
(27. April 2000)
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