10.10.2002
Es ist ein Kreuz mit dem Dreieck
Von Anke Hillebrecht
Bad Homburg. Verkehrsteilnehmer, die an die Kreuzung Victoriaweg – Castillostraße – Hölderlinweg – Höllsteinstraße kommen, müssen sich umgewöhnen. Seit Juli gilt dort eine veränderte Verkehrsführung. Zwar ist dies eine verhältnismäßig ruhige Stelle, doch nun werden Stimmen laut, dass die Kreuzung für Radfahrer durch die neue Regelung richtig gefährlich ist. Und das, obwohl genau dort eine Route des geplanten, aber noch nicht vollständig umgesetzten Radwegekonzepts verläuft.
Bis Juli war die Höllsteinstraße zwischen Theodor-Storm-Straße und Höllsteinweg Einbahnstraße, die Verlängerung des Hölderlinweges zur Castillostraße hin jedoch beidseitig befahrbar. Nun ist dies genau umgekehrt: Aus der Höllsteinstraße darf neuerdings ohne Umwege geradeaus in den Victoriaweg gefahren werden; wer von der Castillostraße in den Hölderlinweg gelangen will, umkreist nun den so genannten Dreispitz – den dreieckigen Platz in der Mitte der Kreuzung. Und wer auf der Castillostraße zur Höllsteinstraße oder umgekehrt unterwegs war, genoss früher Vorfahrt; jetzt gilt an beiden Ecken rechts vor links.
Der Friedrichsdorfer Norbert Happ (54), selbst Radler, beobachtet jeden Morgen, wie Schüler auf dem Fahrrad kühn den Hölderlinweg herunterbrausen und nach links in den Victoriaweg in Richtung der dort liegenden Schulen einbiegen. Konnte bis Juli von rechts niemand kommen, da dieses Stück Höllsteinstraße Einbahnstraße in Richtung Dietigheimer Straße war, so schweben die Jugendlichen nach Ansicht Happs nun latent in Lebensgefahr, da man jetzt den Rechtsverkehr durchlassen muss. Erschwerend kommt hinzu, dass die Sicht vom Hölderlinweg nach rechts durch eine dichte Hecke versperrt ist. "Man muss sich richtig vortasten", so Happ. Mit dem Hinweis, dass sich in dem Bereich schon mehrere Unfälle ereignet hätten, schrieb der Friedrichsdorfer an die Stadt. "Muss erst ein Personenschaden passieren, bis die Verantwortlichen reagieren?" fragt er.
"Es verwirrt die Leute schon, das gebe ich zu", sagt dazu die Leiterin des Fachbereichs Öffentliche Ordnung, Susanne Fafflok. Aber verkehrspolitisch sei die neue Regelung das Sinnvollste. Denn als die Verlängerung des Hölderlinwegs noch beidseitig befahrbar war und auf der Parkseite Autos standen, habe der Stadtbus stets warten müssen, bis der Gegenverkehr vorbei war. "An die neue Relegelung werden sich die Anwohner bald gewöhnen", ist Fafflok überzeugt. Auch der Vorsitzende der Verkehrswacht Obertaunus und Vorsitzende des städtischen Verkehrsausschusses, Peter Sothmann (CDU), ist dieser Meinung.
Anders sieht es Malte Gruber, der für die FHW in dem Gremium sitzt, dort als Bindeglied zum ADFC fungiert und außerdem selbst Radfahrer ist. "Die Regelung ist schon mal ein Fortschritt", findet er und verweist auf einen gescheiterten Antrag von FHW und BLB, im Rahmen des Radwegekonzepts am Dreispitz zumindest Radfahrer gegen die Einbahnstraße fahren zu lassen, wie es in Teilen Frankfurts praktiziert wird. Angeregt durch Happs Beschwerde, will Gruber die Sache erneut in den Ausschuss einbringen. Konkret schlägt er zunächst die Anbringung von Warnschildern oder eines Spiegels vor. "Und die Markierung ist irreführend", so der FHW-Politiker.
"Die Stadt bewegt sich in die richtige Richtung", meint ADFC-Kreissprecher
Volker Radek. Auch er habe schon mit dem Planungsamt darüber gesprochen,
die Einbahnstraße für Radler zu öffnen – zumal sie zwischen
Castillostraße und Hölderlinweg dazu einlade. Vielleicht helfe
dies. "Zur Umsetzung dieser Regelung fehlt die normative Kraft des Faktischen",
spielt Radek auf Frankfurt an.